Ackermann Gemeinde Würzburg

Am Freitag, den 26. März 2021, laden wir Sie herzlich zum Gottesdienst der Aussiedler- und Vertriebenenseelsorge Würzburg ein.

Am Sonntag, dem 3. Februar, feierte Pfarrer Adam Possmayer, der langjährige Diözesan-Aussiedler- und Vertriebenenseelsorger, in der Kirche Maria Regina in Obernbreit sein Silbernes Priesterjubiläum mit einem Dankgottesdienst.

Der plötzliche Tod unseres langjährigen Wegbegleiters hat uns mit großer Trauer erfüllt.

Die Ackermann-Gemeinde Würzburg trauert um einen großartigen Menschen, der zusammen mit seiner Frau Gretl viel für die deutsch-tschechische Aussöhnung getan hat. Oft gab er Zeugnis von der schweren Zeit, die er erlebt hatte. Ein letztes Mal äußerte er sich am 16.03.2020, als der Ackermann-Gemeinde das Wander-Nagelkreuz und die Versöhnungsstatue der ökumenischen Nagelkreuzbewegung verliehen wurden. Lassen wir ihn also selbst noch einmal zu Wort kommen:

„Ich heiße Werner Strik. Strik mit fünf Buchstaben. Ein tschechischer Name für eine deutsche Familie, von einem Urgroßvater stammend.
Geboren wurde ich 1930. Kindheit und Jugend verbrachte ich in einem Dorf im Schönhengstgau, einer Sprachinsel auf der Böhmisch-Mährischen Höhe. Das Dorf wurde durch die Landesgrenze in zwei Gemeinden geteilt. Aus der böhmischen wurden am 13. Juli 1945 die deutschen Bewohner brutal in die russische Besatzungszone vertrieben. Wir wohnten in der mährischen Gemeinde. Ich wurde nach zwei Monaten Lagerhaft am 30. Juni 1946 mit meiner Mutter und meinem jüngeren Bruder zwangsweise ausgesiedelt. In einem Dorf nahe dem total zerstörten Pforzheim wurden wir in ein Zimmer bei einer Kriegerwitwe eingewiesen. Freundlich und hilfsbereit hat sie uns aufgenommen.

Mein Vater wurde als Arzt zurückgehalten. Er kam zwei Monate später nach Hofheim in Unterfranken. Am 18. Oktober 1946 war dort unsere Familie wieder vereint. Nur unser Vater hat eine unfreundliche Begegnung erlebt. Viele Menschen haben uns dagegen geholfen. In besonderer Erinnerung habe ich eine evangelische Bäuerin, die einer Judenfamilie beigestanden hatte, und ein in der Nazizeit verfolgtes Ehepaar.

Ab Oktober 1946 konnte ich nach eineinhalb Jahren wieder eine Schule besuchen. Vom Direktor und seinem Stellvertreter der Oberschule in Haßfurt wurde ich wohlwollend gefördert. Die Mitschüler haben mich mit offenen Armen aufgenommen. Das Abitur habe ich 1949 an der Oberrealschule Bamberg abgelegt. Mit meinen Mitschülern entstanden lebenslange Freundschaften.

1949 war ich einer der 60 Glücklichen von 360 Bewerbern, die nach einem Kolloquium in Würzburg zum Medizinstudium zugelassen wurden. Staatsexamen und Promotion absolvierte ich 1955. Weiterbildung zum Internisten, Habilitation und Ernennung zum außerplanmäßigen Professor folgten bis 1973. Als Chefarzt der Inneren Abteilung der Missionsärztlichen Klinik und akademischer Lehrer fand ich eine hohe berufliche Befriedigung.

Seit 1995 bin ich im Ruhestand. Mit meiner Frau genieße ich es, in dieser schönen Stadt leben zu dürfen. Ich bin fassungslos, wenn ich an die Ruinen denke, die ich 1947 gesehen habe. Ich denke mit Respekt an die Trümmerfrauen, die den Schutt von den Straßen geräumt haben. Ich bin voller Bewunderung, wie schön unser Würzburg wieder geworden ist. Ich freue mich, dass ich bei diesem Wiedererwachen unserer Stadt dabei war.

1956 haben meine Frau und ich geheiratet. Vier Kinder, vier Schwiegerkinder (immer noch dieselben), elf Enkel, fünf Schwiegerenkel und zehn Urenkel: das ist heute unsere Familie. Meine Frau und ich danken demütig für das Leben, das uns geschenkt wurde. Wir hoffen, es noch eine Weile gemeinsam erleben zu dürfen. Die Definition der Weile müssen wir dem Herrgott überlassen.“

Gerne hat sich Prof. Dr. med. Werner Strik als Zeitzeuge zur Verfügung gestellt und die Zuhörer von seiner Versöhnungsbereitschaft angesteckt. Wir danken ihm für seine zwölfjährige aktive Zugehörigkeit zum Diözesanvorstand. Acht Jahre davon vertrat er als Delegierter den Diözesanverband Ackermann-Gemeinde Würzburg bei den Hauptversammlungen unseres Bundesverbandes. Ebenfalls für acht Jahre wurde er, auf unseren Vorschlag hin, als Persönlichkeit in den Würzburger Diözesanrat gewählt. Hier hat er nicht nur unsere Interessen vertreten, sondern bei medizinischen Fragestellungen sein kompetentes Wort erhoben. Als Vertreter im Drei-Länder-Ausschuss „Deutschland – Tschechien – Slowakei“ der Rotarier hat er sich für konkrete Projekte in seiner alten Heimat engagiert.

Zwei Ereignisse, bei denen er besonders beteiligt war, will ich noch hervorheben.

  • Bei der Seligsprechung seines Landsmannes P. Engelmar Unzeitig CMM am 24.09.2016 in Würzburg hat er sich im Vorfeld sehr dafür eingesetzt, dass sich tschechische Gläubige aus Greifendorf, dem heutigen Hradec nad Svitavou und ehemalige deutsche Bewohner gemeinsam an der Feier beteiligen.
  • Bei der Pilgerfahrt „Auf den Spuren von P. Engelmar Unzeitig“ vom 18. – 21.09.2014 hat er uns liebevoll seine alte Heimat vorgestellt. Auch konnten wir uns aus erster Hand von der Versöhnungsarbeit des Ehepaars Strik dort überzeugen.

Wir werden ihn gerne in Erinnerung behalten. Möge er in Frieden ruhen.

Hans-Peter Dörr

Fotos: Prof. Dr. Martin Strik

In Zeiten wie diesen rücken Orte in den Kirchen in den Mittelpunkt, die sonst eher an der Peripherie zu finden sind.

Zu Beginn der Sommerpause haben wir auch in diesem Jahr, wenn auch unter Abstand und mit Desinfektionsmittel, den Gemeinschaftsgottesdienst bei der Bruder-Klaus-Kapelle in Euerfeld gefeiert.

Noch am Donnerstag, 12.11.2020, besuchte Joachim zusammen mit seinem Cousin Franz Neumann im Anschluss an den jährlichen Augenarzttermin das Büro der Ackermann-Gemeinde im Kilianshaus.

Versöhnung statt Vergeltung - Wie Menschen sich die Hände reichen

Unter diesem Thema fand der diesjährige Diözesantag in Verbindung mit der Domschule in Würzburg statt.

Frau Prof. Dr. Michelle Becka hielt dabei ein Grundsatzreferat, bei dem sie die Frage „Wieviel Wahrheit und Gerechtigkeit braucht Versöhnung?“ eindrucksvoll erörterte. In einer Podiumsdiskussion mit Prof. Becka, P. Deogratias Maruhukiro, Freiburg und Thomas Müller-Boehr, Freising unter der Moderation vom Bundesgeschäftsführer Matthias Dörr, wurden konkrete Beispiele zur Versöhnungsarbeit aus Burundi, Albanien und im Zusammenhang der Arbeit mit Roma im Norden Tschechiens vorgestellt.

Im Anschluss wurde der Rechenschaftsbericht der zu Ende gehenden Wahlperiode sowie das Ergebnis der Neuwahl des Vorstandes bekannt gegeben.
Da Hans-Peter Dörr für den Vorsitz nicht mehr kandidierte, mussten wir ihn schweren Herzens verabschieden. Bei der Würdigung für ihn brachte uns Dr. Horst Hübel im Namen des Vorstandes dessen Wirken und Verdienste sehr nahe. Auch die Ämter der Stellvertreter/in wurden frei. Joachim Neumann stand leider schon längere Zeit krankheitsbedingt nicht mehr zur Verfügung. Martina Bachmann trug in ihrer Funktion mit viel Einsatz an Zeit und neuen Ideen zum Gelingen der Arbeit bei. Sie glättete Wogen und verbreitete gute Laune. Zum Glück für uns kann sie dies weiter tun, da sie uns im Vorstand erhalten bleibt.

Wie das Händereichen auch im Umgang miteinander und füreinander möglich ist, hat Hans-Peter Dörr während seiner Amtszeit als Diözesanvorsitzender in Würzburg eindrucksvoll bewiesen. Er übernahm das Amt von Adolf Ullmann im Jahr 2008. Mit nie nachlassendem Engagement übte er dieses aus. Er setzte immer wieder neue Akzente, gab neue Impulse für die Umsetzung von Ideen. Für ihn gab es keine „Mauer im Kopf“. Sein Einsatz für Verständigung und Versöhnung mit unseren östlichen Nachbarn, aber auch in der Gemeinschaft untereinander, war unermüdlich. Entmutigung ließ er nicht gelten. Er hat uns wirkungsvoll vorgelebt, was durch Mut und Ausdauer erreicht werden kann.

Zum Beispiel:

  • nie nachlassende Kontakte mit Vertretern der tschechischen Kirche,
  • deutsch-tschechischer Jugendaustausch,
  • Wallfahrten nach Philippsdorf, Maria Stock, Gutwasser, Haid/Bor
  • Fahrten zur Sdružení-Tagung in Prag, zur Brünner Tagung „Dialog in der Mitte Europas“ mit ihren vielfältigen deutsch-tschechischen Begegnungen,
  • Vertriebenenwallfahrt nach Retzbach, Kilianiwallfahrt mit Kerzengang der Landsmannschaften, Nepomukfeier mit hochrangigen kirchlichen Vertretern aus Tschechien,
  • langjähriger Einsatz von tschechischen Praktikantinnen im Würzburger AG-Büro.

Die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden.

Hans-Peter hatte aber auch die Fähigkeit, sich entspannt zurückzulehnen, um Zusammenkünfte und Feiern mit Mitgliedern und Freunden zu genießen.

Für die Bundes-AG war Martin Panten – neben dem Geschäftsführer Matthias Dörr – als stellvertetender Vorsitzender gekommen. Er erinnerte an den Beginn der Verbindung von Hans-Peter zur AG bereits als Mitglied der JA und an seinen Einsatz über viele Jahre auch im Dekanats- und Diözesanrat. Hier war er lange Zeit Vorsitzender des Sachausschusses „Ost-West“ gewesen.
In Würdigung all dieses Engagements hat Martin Panten Hans-Peter die goldene Ehrennadel der Ackermann-Gemeinde überreicht.

Lieber Hans-Peter, es wird nun anders weitergehen. Der neue Vorstand muss sich – besonders in dieser Coronazeit – auch einen neuen Weg erarbeiten. Dein Erfahrungsreichtum wird uns dabei sehr hilfreich sein. So ganz arbeitslos wirst du ja nicht werden. Deine große Familie freut sich auf mehr Zeit mit dir. Und wir freuen uns, dass du bereit bist, uns weiterhin richtungsweisend zu unterstützen.
Denn, so deine Worte, „es gibt immer einen Weg.“

                         Wir danken dir
Hans-Peter
                         Děkujeme ti

Reinhilde Geißler

Fotos: AG-München

Die Jubiläums-Fußwallfahrt „10 Jahre Stocker Pfad“ startete bereits am Donnerstag, 02.07.2020, um 12.00 Uhr vom Kloster Tepl/Teplá aus. Unter den 32 Pilgern - so viele, wie noch nie - befanden sich auch unsere ESC-Praktikantin Katka Vková und Pfr. Klaus Oehrlein.

 Nach der Begrüßung durch den Abt des Prämonstratenser-Klosters, P. Zdeněk Filip Lobkowicz, hielt der Pilsner Bischof Tomáš Holub eine kurze Andacht. Danach machte sich die Gruppe – bei leichtem Regen – gemeinsam mit dem Bischof auf den Weg. Die erste Pause wurde in Gutwasser/Dobra Voda eingelegt, wo der Direktor des Unternehmens des öffentlichen Dienstes „Böhmischer Westen“, Ondřej Fábera, nicht nur eine Erfrischung vorbereitet hatte, sondern auch die Pilger mit Salz und Brot, und einen Lied begrüßte. Mitwirkende waren Roma-Mädchen die im Blockhaus wohnten. Bischof Holub segnete dann alle zwei Eingänge dieses Hauses. Dazugekommen war auch P. Josef aus dem nahegelegenen Trappisten-Kloster in Nový Dvůr. Er geleitete die Gruppe dorthin. Sie liegt in der Abgeschiedenheit in einer wunderschönen Landschaft.

Bischof Holub war sehr nett und er hat ein bisschen Zeit für alle Pilgern, auch für Katka Vlková, gefunden. Während des freundlichen Gesprächs haben sie herausgefunden, dass sie in derselben Entbindungskliniken geboren wurden. Zwei von den Mitpilgernden stammen aus derselben Stadt wie Katka. Dies ist ein ziemlicher Zufall, denn ihre Heimatstadt liegt auf der anderen Seite der Tschechischen Republik, wo der Pilgerweg stattgefunden hat.
Kurz vor dem Ende des ersten Tages gab es in Branišov einen weiteren Halt in den Ruinen der Kirche St. Blasius, wo der Bischof eine Messe unter freiem Himmel hielt. Die Atmosphäre war einzigartig. Von der Kirche bis zur Unterkunft durfte Katka die Kopie des Gnadenbildes von Maria Stock tragen.

Am Freitag, 03.07.2020, hatte die Pilgergruppe den anstrengensten Weg. Pfr. Oehrlein und Katka waren leider nicht dabei. Sondern waren im Stift Tepl mit Abt Lobkowicz verabredet. Danach besuchten sie noch Schloss Bečov mit dem romanischen Maurus-Schrein. Ihre letzten Ziele an diesem Tag waren Karlsbad und Marienbad. Zum ersten Mal in ihrem Leben war Katka dort. Karlsbad ist schön, aber Mariensbad fand sie schöner.

Am Samstag, 04.07.2020, schlossen sie sich wieder der Pilgergruppe an. Treffpunkt war der Marktplatz von Touzim. Die erste Sehenswürdigkeit war die Kirche. Dort gab es einen kurzen Gottesdienst, bei dem auch Pfr. Oehrlein am Altar stand. Maruska Smolkova und Matthias Dörr von der AG-Hauptstelle München kamen dazu. Sie waren aus Anlass des Treffens „Skoky-Revival“ angereist. Schließlich erreichten die Pilger ihr Endziel, Maria Stock! Skoky!!. Der Wallfahrtstag schloss mit dem eindrucksvollen abendlichen Singen von Liedern aus Taizé.

Am Sonntag, 05.07.2020, kamen weitere Pilger hinzu. Unter ihnen waren Christa Ullmann und Hans-Peter Dörr aus der Diözese Würzburg. Sie hatten das Wander-Nagelkreuz mitgebracht. Traditioneller Treffpunkt war um 10.00 Uhr am Kreuz. Von dort ging es in einer Prozession direkt zur Wallfahrtskirche. Das Wander-Nagelkreuz wurde von Hans-Peter Dörr vorangetragen. Abt Lobkowicz und Pfr. Oehrlein schlossen sich in Prozession an. Bei der anschließenden Deutsch-tschechische Verständigungsmesse standen neben dem Abt, Pfr. Oehrlein und P. Mgr. Hric aus Schlackenwerth/Ostrov n.O.. Einheimische Egerländer waren mit Fahnen und Trachten vertreten.
Die Musikalische Begleitung übernahm Frau Jindřichová vom „Bund der Deutschen in Böhmen.“

Zum Abschluss der Messe gingen die Zelebranten noch zum Seitenaltar, wo das Wander-Nagelkreuz aufgestellt war. Hier wurde auf Deutsch und Tschechisch darüber informiert und ein Gebet gesprochen. Nach der Messe nahm die Gruppe im ehemaligen Pfarrgarten zu Mittagessen ein. Zu uns gesellten sich noch weitere Teilnehmer der früheren Zeltlager der Jungen Aktion Würzburg, der Sing- und Spielgruppe der St.-Ursula-Schule Würzburg und Rytmika. Herr Schierl informierte über die Aktivitäten seines Vereins: Kauf des ehemaligen Wirtshause und weiterer Grundstücke. In nächstem Jahr soll ein Meditationsweg eingerichtet werden. Dazu überreichte die Würzburger Delegation eine Spende, die dieses Vorhaben finanziell unterstützt. Wir freuen uns auf das nächstjährige Treffen und verfolgen die Weiterentwicklung rund um die Kirche mit Interesse. Mit der Renovierung der Wallfahrtskirche kann erst in fünf Jahren gerechnet werden.

Kateřina Vlková und Hans-Peter Dörr

Katka schloss ihren Bericht mit einem kurzen Resümee:

  • Kilometer: circa 50 Km
  • Datum: 02.-05.07.2020
  • Tage: Donnerstag bis Sonntag
  • das häufigste Essen: Goulasch (3 Mal… echt)
  • Opfer: ein Paar weggeworfener Schuh
  • Gute Leute: alle
  • Corona Fälle: 0 (zum Glück)

„Touristik ist ziellos, Wallfahrt ist Touristik mit dem Ziel. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen Touristik und Wallfahrt´´

Acht Jahre durfte das Büro der Ackermann-Gemeinde Würzburg jeden September ein neues Ankömmling herzlich willkommen heißen. Es waren die Europäischen Freiwilligen aus Tschechien, welche bei uns für ein Jahr unter der freundlichen Unterstützung der Europäischen Union die deutsche, aber auch die eigene Kultur kennenlernten.

Diesmal kann man allerdings kein neues Gesicht im Büro erblicken: aufgrund von den internen Veränderungen im Bischöflichen Ordinariat sowie in der Verwaltung des Europäischen Freiwilligendienstes selbst und dem Corona-Virus mussten wir die schwierige Entscheidung treffen, das Angebot, ein freiwilliges Jahr in Würzburg zu verbringen, einzustellen.

Acht Jahre – acht junge Frauen. Zufälligerweise griff nie ein Junge dazwischen ein. 2012 war der Startschuss für den Europäischen Freiwilligendienst in Würzburg. Sowohl die Freiwillige Veronika Tomsová, als auch die Mitglieder der Ackermann-Gemeinde, vor allem ihre BetreuerInnen und BegleiterInnen, mussten sich gegenseitig sowie ihre Pflichten und Rechte zunächst kennenlernen. Aufgrund der Aufgeschlossenheit auf beiden Seiten, der Neugier und des Willens, etwas zu unternehmen und entstehen zu lassen, wurde das erste Jahr zu einem bereichernden Ereignis, welches immer noch seine Früchte trägt, denn diese erste Freiwillige blieb auch weiterhin der Ackermann-Gemeinde erhalten; zunächst als Tutorin für ihre Nachfolgerinnen, später auch als Mitglied des Diözesanvorstandes.

Wenn das erste Jahr von einer zierlichen, schwarzhaarigen geprägt wurde, war das zweite im Zeichen der großen, blonden Michala Kroutilová. Sie brachte eine gewisse Ruhe und Regelmäßigkeit in das im vorigen Jahr erschaffene Format des Freiwilligendienstes hinein. Nach ihrem Aufenthalt kehrte sie wieder nach Tschechien, wo sie ihre Familie gründete.

Marie Nálepová sprang in ihre Tätigkeit bei der Ackermann-Gemeinde Würzburg mit beiden Beinen hinein. Mit Scharfsinn, Humor und Erfahrungen aus dem politischen Leben Deutschlands – sie war für mehrere Monate Stipendiatin im Deutschen Bundestag – belebte und bereicherte sie unsere Aktivitäten in dieser Richtung. Wieder in ihrem Heimatland fand sie in die Sdružení Ackermann-Gemeinde, wo sie als Tutorin die dortigen deutschen Freiwilligen begleitet. Ihr lebhaftes Wesen und freundliche Natur führen Marie erfreulicherweise immer wieder nach Würzburg zurück.

Die erste Hälfte der gesamten Laufzeit wurde von Kateřina Farská vervollständigt. Vor allem musikalisch-internationale Veranstaltungen, z. B. eine deutsch-tschechische Chorbegegnung - organisiert von Iva Slancová- , boten ihr ein breites Feld an Betätigungen an. Aktiv mitzumachen und mit hellen Augen die Tatsachen zu sehen – das tat Katka mit Leichtigkeit, welche wir gerne genossen.

Anežka Holubová – seit neulich allerdings Hrdá mit Nachnamen – erwischte gleich zum Anfang ihres Freiwilligenjahres eine herausfordernde Veranstaltung und zwar die Seligsprechung des Paters Engelmar Unzeitig CMM. Das Beispiel des kirchlichen Lebens par exellence führte sie in ihren Aufenthalt ein. Anežka musste den ganzen Eindrücken aber nicht alleine entgegenstehen, denn zur Freude aller Beteiligten kamen auch die ehemaligen Freiwilligen Marie und Katka zu diesem Ereigniss. Neben ihrer fröhlichen Art bleibt mir persönlich vor allem unser Backmarathon am Vorabend des ersten Würzburger Ehrenamtstages in Erinnerung: im Vergleich zu den fünf Stunden am Backofen waren die böhmischen Kolatschen im Nu vergriffen.

Das imaginäre Zepter der Freiwilligen reichte Anežka an Anna Jeřábková weiter. Es kam mit ihr eine junge Frau zu uns, die sich vor unseren Augen entwickelte und sich bestens in ihren Tätigkeiten zurechtfand. Mit neugierigen, wissensbegehrenden Augen betrachtete sie alles Neue und war immer bereit, eine helfende Hand zu reichen.

Im September 2018 ließ Dominika Krejčová einen neuen Wind ins Büro und die Aktivitäten der Ackermann-Gemeinde Würzburg wehen. Ihre ungebundene, kreative Art setzte sie in den eigen ausgedachten Veranstaltungen um: einmal zu Weihnachten, das andere Mal zu Ostern. Beide Male stellte sie den InteressentInnenen die tschechischen Bräuche zu den jeweiligen Feiertagen vor.

Das achte Jahr – das Jahr von Kateřina Vlková – fing wie jedes andere an. Unsere Planungen liefen wie immer und wir freuten uns, Katka in sie richtig einzubinden. Dann, im Frühjahr 2020, machte das Virus-Corona eine Zäsur in dem Leben der Menschen. Durch die Lockdowns und zeitweise geschlossenen Grenzen zwischen Deutschland und Tschechien wurde das Freiwilligenjahr von Katka abenteuerlicher, als wir uns wünschten. Trotzdem hielten wir alle durch und führten es unter den geänderten Umständen weiter. Nach dem Abschließen des Europäischen Freiwilligendienstes entschied sich Katka weiterhin in Würzburg zu bleiben und wir freuen uns, dass sie auch mit uns in Kontakt bleibt.

Acht Jahre – acht unterschiedliche Frauen, welche unsere Leben und Wahrnehmungsweise einzigartig bereicherten. Der Europäische Freiwilligendienst war für uns eine wundervolle Erfahrung und wir sind sehr froh, dass wir mit den meisten Freiwilligen immer im Kontakt sind und dass uns die Wege auch immer wieder zusammenführen! Vielen Dank für die fantastischen Jahre und Begegnungen.

Veronika Tomsova, Tutorin

Am letzten Wochenende hatten wir lieben Besuch aus Prag: drei unserer ehemaligen Europäischen Freiwilligen besuchten Würzburg und trafen sich dabei u. a. mit den Würzburger Freiwilligen, Aktive und Ehemalige.

Na, wer kennt noch alle auf dem Foto? (vlnr) Marie Nálepová, Kateřina Farská, Anna Jeřábková, Kateřina Vlková und Veronika Tomsová.

Die neueste Ausgabe unseres Rundbriefes "Unser náš Ackermann" Nr. 2020-02 ging gerade zur Druckerei. Sie können ihn jedoch ganz unten auf der Home-Seite bereits vorab online lesen.

Viel Spaß dabei!

Wegen der Corona-Pandemie mussten auch wir von der Ackermann-Gemeinde schon einige Veranstaltungen absagen und Begegnungen ausfallen lassen. Auch öffentliche Gottesdienste waren auf staatliche Anordnung hin untersagt. Nur Gottesdienste im kleinen Kreis waren auf kirchliche Weisung hin gestattet.

Der Termin für den Gemeinschaftsgottesdienst der Ackermann-Gemeinde, der für Freitag, 24. April 2020, - wie üblich in der Kiliansgruft des Neumünsters in Würzburg - geplant war, rückte immer näher. Sollten wir auch diesen für unsere Gemeinschaft so wichtigen Termin verfallen lassen?

Pfarrer Adam Possmayer, der diesen Gottesdienst übernommen hatte, kam nun auf die Idee, diesen Gemeinschaftsgottesdienst in seine Pfarrkirche St. Ludwig nach Marktbreit zu verlegen. Dort hatte er bereits die Abstandsregeln und Hygienevorschriften für Gottesdienste in seiner Pfarrgemeinde vorgesehen. Stellvertretend für die sonstigen Teilnehmer an den Gemeinschaftsgottesdiensten durften Martina Bachmann, meine Frau und ich an diesem Gottesdienst teilnehmen.

Die Lesungstexte hat Pfarrer Possmayer vom Tag genommen. Die Lesung aus der Apostelgeschichte 5,34-42 hat Martina Bachmann übernommen. Die Stelle aus dem Evangelium Joh 6,1-15 verkündete uns Pfarrer Possmayer und legte sie aus. Ganz individuell hatte er die Fürbitten formuliert, die Hildegard Dörr vortrug.

„1. Für unsere Ackermann-Gemeinde und für alle Mitglieder in den Landsmannschaften der Aussiedler und Vertriebenen: Lass das Vorbild Christi uns immer wieder neu und besonders jetzt, in dieser Zeit der Pandemie, Maß und Richtschnur sein.
2. Wir beten für alle Menschen, die ihr Leben ohne Beziehung zu dir gestalten, die von dir nichts mehr erwarten: Lass sie erkennen, dass ein lebendiger Glaube sie bereichern und ihnen Hoffnung schenken kann, die über dieses Leben hinausreicht.
3. Für die Kirche bei uns und in den Herkunftsländern unserer Aussiedler und Vertriebenen: Schenke ihr den Geist, dass sie deine liebende Nähe und befreiende Botschaft verkünden und leben kann.
4. Für die Politiker und Verantwortlichen bei allen Völkern der Erde: Stärke sie in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Bewahrung der Schöpfung und schenke allen, die Wege eingeschlagen haben, die den Menschen schaden, Einsicht und Umkehr.
5. Für alle unsere Lieben, mit denen wir das Leben geteilt haben und die jetzt nicht mehr unter uns sind: Wir gedenken heute besonders der Verstorbenen der Ackermann-Gemeinde, die Gott, der Herr, in den letzten Monaten in sein ewiges Reich gerufen hat: Lass sie und alle Verstorbenen bei dir geborgen sein.“

Für jeden der namentlich vorgetragenen Verstorbenen entzündete Pfarrer Possmayer ein Teelicht auf dem Altar:

  • Burkard Zürrlein, der Neffe von Msgr. Frühmorgen
  • Karl-Heinz Utschig, der Vater von ehemals in der Jungen Aktion verantwortlichen Kindern
  • Hans Zeckel, ein langjähriges Mitglied im Diözesanvorstand der Ackermann-Gemeinde und Vertreter im Dekanatsrat Würzburg Stadt
  • Pfarrer Markus Goller, dem Geistlichen Beirat der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum Bamberg
  • Pfarrvikar Zbigniew Jan Gulbicki, dem langjährigen Geistlichen Beirat des Sachausschusses „Nachbarschaft-Partnerschaft-Integration“ im Diözesanrat.

Der Gottesdienst war geprägt durch österliche Lieder, die an der Orgel von Frau Fröhlich vorgetragen wurden. Zur Einführung erklärte ich das Wandernagelkreuz, das der Ackermann-Gemeinde am 16. März 2020 übergeben wurde und für ein Jahr anvertraut ist. Während des Gottesdienstes stand es vor dem Altar neben einer Figur des auferstandenen Christus. Nach der Kommunion trug ich das Versöhnungsgebet von Coventry vor. Die Anwesenden bestärkten die jeweilige Aussage mit den Worten „Vater, vergib“.

Wir bedankten uns ganz herzlich – mit dem nötigen Abstand – von Pfarrer Possmayer. Wir hoffen, dass wir den nächsten Gemeinschaftsgottesdienst in größerer Zahl wieder gemeinsam feiern können.

Hans-Peter Dörr

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