Ackermann Gemeinde Würzburg

In Zeiten wie diesen rücken Orte in den Kirchen in den Mittelpunkt, die sonst eher an der Peripherie zu finden sind.

Zu Beginn der Sommerpause haben wir auch in diesem Jahr, wenn auch unter Abstand und mit Desinfektionsmittel, den Gemeinschaftsgottesdienst bei der Bruder-Klaus-Kapelle in Euerfeld gefeiert.

Noch am Donnerstag, 12.11.2020, besuchte Joachim zusammen mit seinem Cousin Franz Neumann im Anschluss an den jährlichen Augenarzttermin das Büro der Ackermann-Gemeinde im Kilianshaus.

Versöhnung statt Vergeltung - Wie Menschen sich die Hände reichen

Unter diesem Thema fand der diesjährige Diözesantag in Verbindung mit der Domschule in Würzburg statt.

Frau Prof. Dr. Michelle Becka hielt dabei ein Grundsatzreferat, bei dem sie die Frage „Wieviel Wahrheit und Gerechtigkeit braucht Versöhnung?“ eindrucksvoll erörterte. In einer Podiumsdiskussion mit Prof. Becka, P. Deogratias Maruhukiro, Freiburg und Thomas Müller-Boehr, Freising unter der Moderation vom Bundesgeschäftsführer Matthias Dörr, wurden konkrete Beispiele zur Versöhnungsarbeit aus Burundi, Albanien und im Zusammenhang der Arbeit mit Roma im Norden Tschechiens vorgestellt.

Im Anschluss wurde der Rechenschaftsbericht der zu Ende gehenden Wahlperiode sowie das Ergebnis der Neuwahl des Vorstandes bekannt gegeben.
Da Hans-Peter Dörr für den Vorsitz nicht mehr kandidierte, mussten wir ihn schweren Herzens verabschieden. Bei der Würdigung für ihn brachte uns Dr. Horst Hübel im Namen des Vorstandes dessen Wirken und Verdienste sehr nahe. Auch die Ämter der Stellvertreter/in wurden frei. Joachim Neumann stand leider schon längere Zeit krankheitsbedingt nicht mehr zur Verfügung. Martina Bachmann trug in ihrer Funktion mit viel Einsatz an Zeit und neuen Ideen zum Gelingen der Arbeit bei. Sie glättete Wogen und verbreitete gute Laune. Zum Glück für uns kann sie dies weiter tun, da sie uns im Vorstand erhalten bleibt.

Wie das Händereichen auch im Umgang miteinander und füreinander möglich ist, hat Hans-Peter Dörr während seiner Amtszeit als Diözesanvorsitzender in Würzburg eindrucksvoll bewiesen. Er übernahm das Amt von Adolf Ullmann im Jahr 2008. Mit nie nachlassendem Engagement übte er dieses aus. Er setzte immer wieder neue Akzente, gab neue Impulse für die Umsetzung von Ideen. Für ihn gab es keine „Mauer im Kopf“. Sein Einsatz für Verständigung und Versöhnung mit unseren östlichen Nachbarn, aber auch in der Gemeinschaft untereinander, war unermüdlich. Entmutigung ließ er nicht gelten. Er hat uns wirkungsvoll vorgelebt, was durch Mut und Ausdauer erreicht werden kann.

Zum Beispiel:

  • nie nachlassende Kontakte mit Vertretern der tschechischen Kirche,
  • deutsch-tschechischer Jugendaustausch,
  • Wallfahrten nach Philippsdorf, Maria Stock, Gutwasser, Haid/Bor
  • Fahrten zur Sdružení-Tagung in Prag, zur Brünner Tagung „Dialog in der Mitte Europas“ mit ihren vielfältigen deutsch-tschechischen Begegnungen,
  • Vertriebenenwallfahrt nach Retzbach, Kilianiwallfahrt mit Kerzengang der Landsmannschaften, Nepomukfeier mit hochrangigen kirchlichen Vertretern aus Tschechien,
  • langjähriger Einsatz von tschechischen Praktikantinnen im Würzburger AG-Büro.

Die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden.

Hans-Peter hatte aber auch die Fähigkeit, sich entspannt zurückzulehnen, um Zusammenkünfte und Feiern mit Mitgliedern und Freunden zu genießen.

Für die Bundes-AG war Martin Panten – neben dem Geschäftsführer Matthias Dörr – als stellvertetender Vorsitzender gekommen. Er erinnerte an den Beginn der Verbindung von Hans-Peter zur AG bereits als Mitglied der JA und an seinen Einsatz über viele Jahre auch im Dekanats- und Diözesanrat. Hier war er lange Zeit Vorsitzender des Sachausschusses „Ost-West“ gewesen.
In Würdigung all dieses Engagements hat Martin Panten Hans-Peter die goldene Ehrennadel der Ackermann-Gemeinde überreicht.

Lieber Hans-Peter, es wird nun anders weitergehen. Der neue Vorstand muss sich – besonders in dieser Coronazeit – auch einen neuen Weg erarbeiten. Dein Erfahrungsreichtum wird uns dabei sehr hilfreich sein. So ganz arbeitslos wirst du ja nicht werden. Deine große Familie freut sich auf mehr Zeit mit dir. Und wir freuen uns, dass du bereit bist, uns weiterhin richtungsweisend zu unterstützen.
Denn, so deine Worte, „es gibt immer einen Weg.“

                         Wir danken dir
Hans-Peter
                         Děkujeme ti

Reinhilde Geißler

Fotos: AG-München

Die Jubiläums-Fußwallfahrt „10 Jahre Stocker Pfad“ startete bereits am Donnerstag, 02.07.2020, um 12.00 Uhr vom Kloster Tepl/Teplá aus. Unter den 32 Pilgern - so viele, wie noch nie - befanden sich auch unsere ESC-Praktikantin Katka Vková und Pfr. Klaus Oehrlein.

 Nach der Begrüßung durch den Abt des Prämonstratenser-Klosters, P. Zdeněk Filip Lobkowicz, hielt der Pilsner Bischof Tomáš Holub eine kurze Andacht. Danach machte sich die Gruppe – bei leichtem Regen – gemeinsam mit dem Bischof auf den Weg. Die erste Pause wurde in Gutwasser/Dobra Voda eingelegt, wo der Direktor des Unternehmens des öffentlichen Dienstes „Böhmischer Westen“, Ondřej Fábera, nicht nur eine Erfrischung vorbereitet hatte, sondern auch die Pilger mit Salz und Brot, und einen Lied begrüßte. Mitwirkende waren Roma-Mädchen die im Blockhaus wohnten. Bischof Holub segnete dann alle zwei Eingänge dieses Hauses. Dazugekommen war auch P. Josef aus dem nahegelegenen Trappisten-Kloster in Nový Dvůr. Er geleitete die Gruppe dorthin. Sie liegt in der Abgeschiedenheit in einer wunderschönen Landschaft.

Bischof Holub war sehr nett und er hat ein bisschen Zeit für alle Pilgern, auch für Katka Vlková, gefunden. Während des freundlichen Gesprächs haben sie herausgefunden, dass sie in derselben Entbindungskliniken geboren wurden. Zwei von den Mitpilgernden stammen aus derselben Stadt wie Katka. Dies ist ein ziemlicher Zufall, denn ihre Heimatstadt liegt auf der anderen Seite der Tschechischen Republik, wo der Pilgerweg stattgefunden hat.
Kurz vor dem Ende des ersten Tages gab es in Branišov einen weiteren Halt in den Ruinen der Kirche St. Blasius, wo der Bischof eine Messe unter freiem Himmel hielt. Die Atmosphäre war einzigartig. Von der Kirche bis zur Unterkunft durfte Katka die Kopie des Gnadenbildes von Maria Stock tragen.

Am Freitag, 03.07.2020, hatte die Pilgergruppe den anstrengensten Weg. Pfr. Oehrlein und Katka waren leider nicht dabei. Sondern waren im Stift Tepl mit Abt Lobkowicz verabredet. Danach besuchten sie noch Schloss Bečov mit dem romanischen Maurus-Schrein. Ihre letzten Ziele an diesem Tag waren Karlsbad und Marienbad. Zum ersten Mal in ihrem Leben war Katka dort. Karlsbad ist schön, aber Mariensbad fand sie schöner.

Am Samstag, 04.07.2020, schlossen sie sich wieder der Pilgergruppe an. Treffpunkt war der Marktplatz von Touzim. Die erste Sehenswürdigkeit war die Kirche. Dort gab es einen kurzen Gottesdienst, bei dem auch Pfr. Oehrlein am Altar stand. Maruska Smolkova und Matthias Dörr von der AG-Hauptstelle München kamen dazu. Sie waren aus Anlass des Treffens „Skoky-Revival“ angereist. Schließlich erreichten die Pilger ihr Endziel, Maria Stock! Skoky!!. Der Wallfahrtstag schloss mit dem eindrucksvollen abendlichen Singen von Liedern aus Taizé.

Am Sonntag, 05.07.2020, kamen weitere Pilger hinzu. Unter ihnen waren Christa Ullmann und Hans-Peter Dörr aus der Diözese Würzburg. Sie hatten das Wander-Nagelkreuz mitgebracht. Traditioneller Treffpunkt war um 10.00 Uhr am Kreuz. Von dort ging es in einer Prozession direkt zur Wallfahrtskirche. Das Wander-Nagelkreuz wurde von Hans-Peter Dörr vorangetragen. Abt Lobkowicz und Pfr. Oehrlein schlossen sich in Prozession an. Bei der anschließenden Deutsch-tschechische Verständigungsmesse standen neben dem Abt, Pfr. Oehrlein und P. Mgr. Hric aus Schlackenwerth/Ostrov n.O.. Einheimische Egerländer waren mit Fahnen und Trachten vertreten.
Die Musikalische Begleitung übernahm Frau Jindřichová vom „Bund der Deutschen in Böhmen.“

Zum Abschluss der Messe gingen die Zelebranten noch zum Seitenaltar, wo das Wander-Nagelkreuz aufgestellt war. Hier wurde auf Deutsch und Tschechisch darüber informiert und ein Gebet gesprochen. Nach der Messe nahm die Gruppe im ehemaligen Pfarrgarten zu Mittagessen ein. Zu uns gesellten sich noch weitere Teilnehmer der früheren Zeltlager der Jungen Aktion Würzburg, der Sing- und Spielgruppe der St.-Ursula-Schule Würzburg und Rytmika. Herr Schierl informierte über die Aktivitäten seines Vereins: Kauf des ehemaligen Wirtshause und weiterer Grundstücke. In nächstem Jahr soll ein Meditationsweg eingerichtet werden. Dazu überreichte die Würzburger Delegation eine Spende, die dieses Vorhaben finanziell unterstützt. Wir freuen uns auf das nächstjährige Treffen und verfolgen die Weiterentwicklung rund um die Kirche mit Interesse. Mit der Renovierung der Wallfahrtskirche kann erst in fünf Jahren gerechnet werden.

Kateřina Vlková und Hans-Peter Dörr

Katka schloss ihren Bericht mit einem kurzen Resümee:

  • Kilometer: circa 50 Km
  • Datum: 02.-05.07.2020
  • Tage: Donnerstag bis Sonntag
  • das häufigste Essen: Goulasch (3 Mal… echt)
  • Opfer: ein Paar weggeworfener Schuh
  • Gute Leute: alle
  • Corona Fälle: 0 (zum Glück)

„Touristik ist ziellos, Wallfahrt ist Touristik mit dem Ziel. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen Touristik und Wallfahrt´´

Acht Jahre durfte das Büro der Ackermann-Gemeinde Würzburg jeden September ein neues Ankömmling herzlich willkommen heißen. Es waren die Europäischen Freiwilligen aus Tschechien, welche bei uns für ein Jahr unter der freundlichen Unterstützung der Europäischen Union die deutsche, aber auch die eigene Kultur kennenlernten.

Diesmal kann man allerdings kein neues Gesicht im Büro erblicken: aufgrund von den internen Veränderungen im Bischöflichen Ordinariat sowie in der Verwaltung des Europäischen Freiwilligendienstes selbst und dem Corona-Virus mussten wir die schwierige Entscheidung treffen, das Angebot, ein freiwilliges Jahr in Würzburg zu verbringen, einzustellen.

Acht Jahre – acht junge Frauen. Zufälligerweise griff nie ein Junge dazwischen ein. 2012 war der Startschuss für den Europäischen Freiwilligendienst in Würzburg. Sowohl die Freiwillige Veronika Tomsová, als auch die Mitglieder der Ackermann-Gemeinde, vor allem ihre BetreuerInnen und BegleiterInnen, mussten sich gegenseitig sowie ihre Pflichten und Rechte zunächst kennenlernen. Aufgrund der Aufgeschlossenheit auf beiden Seiten, der Neugier und des Willens, etwas zu unternehmen und entstehen zu lassen, wurde das erste Jahr zu einem bereichernden Ereignis, welches immer noch seine Früchte trägt, denn diese erste Freiwillige blieb auch weiterhin der Ackermann-Gemeinde erhalten; zunächst als Tutorin für ihre Nachfolgerinnen, später auch als Mitglied des Diözesanvorstandes.

Wenn das erste Jahr von einer zierlichen, schwarzhaarigen geprägt wurde, war das zweite im Zeichen der großen, blonden Michala Kroutilová. Sie brachte eine gewisse Ruhe und Regelmäßigkeit in das im vorigen Jahr erschaffene Format des Freiwilligendienstes hinein. Nach ihrem Aufenthalt kehrte sie wieder nach Tschechien, wo sie ihre Familie gründete.

Marie Nálepová sprang in ihre Tätigkeit bei der Ackermann-Gemeinde Würzburg mit beiden Beinen hinein. Mit Scharfsinn, Humor und Erfahrungen aus dem politischen Leben Deutschlands – sie war für mehrere Monate Stipendiatin im Deutschen Bundestag – belebte und bereicherte sie unsere Aktivitäten in dieser Richtung. Wieder in ihrem Heimatland fand sie in die Sdružení Ackermann-Gemeinde, wo sie als Tutorin die dortigen deutschen Freiwilligen begleitet. Ihr lebhaftes Wesen und freundliche Natur führen Marie erfreulicherweise immer wieder nach Würzburg zurück.

Die erste Hälfte der gesamten Laufzeit wurde von Kateřina Farská vervollständigt. Vor allem musikalisch-internationale Veranstaltungen, z. B. eine deutsch-tschechische Chorbegegnung - organisiert von Iva Slancová- , boten ihr ein breites Feld an Betätigungen an. Aktiv mitzumachen und mit hellen Augen die Tatsachen zu sehen – das tat Katka mit Leichtigkeit, welche wir gerne genossen.

Anežka Holubová – seit neulich allerdings Hrdá mit Nachnamen – erwischte gleich zum Anfang ihres Freiwilligenjahres eine herausfordernde Veranstaltung und zwar die Seligsprechung des Paters Engelmar Unzeitig CMM. Das Beispiel des kirchlichen Lebens par exellence führte sie in ihren Aufenthalt ein. Anežka musste den ganzen Eindrücken aber nicht alleine entgegenstehen, denn zur Freude aller Beteiligten kamen auch die ehemaligen Freiwilligen Marie und Katka zu diesem Ereigniss. Neben ihrer fröhlichen Art bleibt mir persönlich vor allem unser Backmarathon am Vorabend des ersten Würzburger Ehrenamtstages in Erinnerung: im Vergleich zu den fünf Stunden am Backofen waren die böhmischen Kolatschen im Nu vergriffen.

Das imaginäre Zepter der Freiwilligen reichte Anežka an Anna Jeřábková weiter. Es kam mit ihr eine junge Frau zu uns, die sich vor unseren Augen entwickelte und sich bestens in ihren Tätigkeiten zurechtfand. Mit neugierigen, wissensbegehrenden Augen betrachtete sie alles Neue und war immer bereit, eine helfende Hand zu reichen.

Im September 2018 ließ Dominika Krejčová einen neuen Wind ins Büro und die Aktivitäten der Ackermann-Gemeinde Würzburg wehen. Ihre ungebundene, kreative Art setzte sie in den eigen ausgedachten Veranstaltungen um: einmal zu Weihnachten, das andere Mal zu Ostern. Beide Male stellte sie den InteressentInnenen die tschechischen Bräuche zu den jeweiligen Feiertagen vor.

Das achte Jahr – das Jahr von Kateřina Vlková – fing wie jedes andere an. Unsere Planungen liefen wie immer und wir freuten uns, Katka in sie richtig einzubinden. Dann, im Frühjahr 2020, machte das Virus-Corona eine Zäsur in dem Leben der Menschen. Durch die Lockdowns und zeitweise geschlossenen Grenzen zwischen Deutschland und Tschechien wurde das Freiwilligenjahr von Katka abenteuerlicher, als wir uns wünschten. Trotzdem hielten wir alle durch und führten es unter den geänderten Umständen weiter. Nach dem Abschließen des Europäischen Freiwilligendienstes entschied sich Katka weiterhin in Würzburg zu bleiben und wir freuen uns, dass sie auch mit uns in Kontakt bleibt.

Acht Jahre – acht unterschiedliche Frauen, welche unsere Leben und Wahrnehmungsweise einzigartig bereicherten. Der Europäische Freiwilligendienst war für uns eine wundervolle Erfahrung und wir sind sehr froh, dass wir mit den meisten Freiwilligen immer im Kontakt sind und dass uns die Wege auch immer wieder zusammenführen! Vielen Dank für die fantastischen Jahre und Begegnungen.

Veronika Tomsova, Tutorin

Am letzten Wochenende hatten wir lieben Besuch aus Prag: drei unserer ehemaligen Europäischen Freiwilligen besuchten Würzburg und trafen sich dabei u. a. mit den Würzburger Freiwilligen, Aktive und Ehemalige.

Na, wer kennt noch alle auf dem Foto? (vlnr) Marie Nálepová, Kateřina Farská, Anna Jeřábková, Kateřina Vlková und Veronika Tomsová.

Die neueste Ausgabe unseres Rundbriefes "Unser náš Ackermann" Nr. 2020-02 ging gerade zur Druckerei. Sie können ihn jedoch ganz unten auf der Home-Seite bereits vorab online lesen.

Viel Spaß dabei!

Wegen der Corona-Pandemie mussten auch wir von der Ackermann-Gemeinde schon einige Veranstaltungen absagen und Begegnungen ausfallen lassen. Auch öffentliche Gottesdienste waren auf staatliche Anordnung hin untersagt. Nur Gottesdienste im kleinen Kreis waren auf kirchliche Weisung hin gestattet.

Der Termin für den Gemeinschaftsgottesdienst der Ackermann-Gemeinde, der für Freitag, 24. April 2020, - wie üblich in der Kiliansgruft des Neumünsters in Würzburg - geplant war, rückte immer näher. Sollten wir auch diesen für unsere Gemeinschaft so wichtigen Termin verfallen lassen?

Pfarrer Adam Possmayer, der diesen Gottesdienst übernommen hatte, kam nun auf die Idee, diesen Gemeinschaftsgottesdienst in seine Pfarrkirche St. Ludwig nach Marktbreit zu verlegen. Dort hatte er bereits die Abstandsregeln und Hygienevorschriften für Gottesdienste in seiner Pfarrgemeinde vorgesehen. Stellvertretend für die sonstigen Teilnehmer an den Gemeinschaftsgottesdiensten durften Martina Bachmann, meine Frau und ich an diesem Gottesdienst teilnehmen.

Die Lesungstexte hat Pfarrer Possmayer vom Tag genommen. Die Lesung aus der Apostelgeschichte 5,34-42 hat Martina Bachmann übernommen. Die Stelle aus dem Evangelium Joh 6,1-15 verkündete uns Pfarrer Possmayer und legte sie aus. Ganz individuell hatte er die Fürbitten formuliert, die Hildegard Dörr vortrug.

„1. Für unsere Ackermann-Gemeinde und für alle Mitglieder in den Landsmannschaften der Aussiedler und Vertriebenen: Lass das Vorbild Christi uns immer wieder neu und besonders jetzt, in dieser Zeit der Pandemie, Maß und Richtschnur sein.
2. Wir beten für alle Menschen, die ihr Leben ohne Beziehung zu dir gestalten, die von dir nichts mehr erwarten: Lass sie erkennen, dass ein lebendiger Glaube sie bereichern und ihnen Hoffnung schenken kann, die über dieses Leben hinausreicht.
3. Für die Kirche bei uns und in den Herkunftsländern unserer Aussiedler und Vertriebenen: Schenke ihr den Geist, dass sie deine liebende Nähe und befreiende Botschaft verkünden und leben kann.
4. Für die Politiker und Verantwortlichen bei allen Völkern der Erde: Stärke sie in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Bewahrung der Schöpfung und schenke allen, die Wege eingeschlagen haben, die den Menschen schaden, Einsicht und Umkehr.
5. Für alle unsere Lieben, mit denen wir das Leben geteilt haben und die jetzt nicht mehr unter uns sind: Wir gedenken heute besonders der Verstorbenen der Ackermann-Gemeinde, die Gott, der Herr, in den letzten Monaten in sein ewiges Reich gerufen hat: Lass sie und alle Verstorbenen bei dir geborgen sein.“

Für jeden der namentlich vorgetragenen Verstorbenen entzündete Pfarrer Possmayer ein Teelicht auf dem Altar:

  • Burkard Zürrlein, der Neffe von Msgr. Frühmorgen
  • Karl-Heinz Utschig, der Vater von ehemals in der Jungen Aktion verantwortlichen Kindern
  • Hans Zeckel, ein langjähriges Mitglied im Diözesanvorstand der Ackermann-Gemeinde und Vertreter im Dekanatsrat Würzburg Stadt
  • Pfarrer Markus Goller, dem Geistlichen Beirat der Ackermann-Gemeinde im Erzbistum Bamberg
  • Pfarrvikar Zbigniew Jan Gulbicki, dem langjährigen Geistlichen Beirat des Sachausschusses „Nachbarschaft-Partnerschaft-Integration“ im Diözesanrat.

Der Gottesdienst war geprägt durch österliche Lieder, die an der Orgel von Frau Fröhlich vorgetragen wurden. Zur Einführung erklärte ich das Wandernagelkreuz, das der Ackermann-Gemeinde am 16. März 2020 übergeben wurde und für ein Jahr anvertraut ist. Während des Gottesdienstes stand es vor dem Altar neben einer Figur des auferstandenen Christus. Nach der Kommunion trug ich das Versöhnungsgebet von Coventry vor. Die Anwesenden bestärkten die jeweilige Aussage mit den Worten „Vater, vergib“.

Wir bedankten uns ganz herzlich – mit dem nötigen Abstand – von Pfarrer Possmayer. Wir hoffen, dass wir den nächsten Gemeinschaftsgottesdienst in größerer Zahl wieder gemeinsam feiern können.

Hans-Peter Dörr

Am 3. April 2020 verstarb unser lieber Freund Hans Zeckel im Beisein seiner Familie zu Hause in Heidingsfeld.

Viele Jahre hat er im Diözesanvorstand die Arbeit der Ackermann-Gemeinde mitgeprägt. Ab 1976 war er hier für die „Jungen Familien“ zuständig. Zahlreiche Treffen im Sommer und im Advent entwickelten sich daraus. Im Jahre 2000 wollte er nicht mehr für den Vorstand kandidieren, um „Jüngeren Platz zu machen“. Von 2002 bis 2010 vertrat er aber noch die Ackermann-Gemeinde im Dekanatsrat Würzburg-Stadt.

Es hat Hans nie zu Führungspositionen hingezogen. Er war stets ein kritischer Begleiter unserer Arbeit. Da er sehr praktisch veranlagt war, hat er angepackt, wo es notwendig war. Ein besonderes Talent zeigte er beim Fotografieren. So hat er uns viele fotografische Eindrücke von ganz verschiedenen Gelegenheiten hinterlassen. Seine Bildkarten haben vielen Menschen Freude und Trost gespendet. 

So oft er konnte, zog es ihn mit der Ackermann-Gemeinde in seine Heimat nach Böhmen. So war er noch bei der Januar-Fahrt 2018 nach Philippsdorf dabei. Wigbert Baumann erinnert sich noch heute an die „schönen Gespräche“ auf der Rückbank im Auto während der Fahrt. Seine besondere Liebe galt Maria Stock. Viele Diskussionen drehten sich um den Wiederaufbau von Kirche und Gasthaus.

Es ist bedauerlich, dass wir in Corona-Zeiten nicht persönlich von ihm Abschied nehmen können. Bei nächster Gelegenheit wollen wir in unserem Monatsgottesdienst an ihn gedenken. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und seinen beiden Töchtern. 

Möge er in Frieden ruhen.

Hans-Peter Dörr
Diözesanvorsitzender der Ackermann-Gemeinde Würzburg

 

Nach dem Totengedenken und der Kranzniederlegung durch OB Schuchardt am Hauptfriedhof Würzburg am 16. März 2020 wurde der Ackermann-Gemeinde Würzburg das Wandernagelkreuz sowie die Versöhnungsstatue für ein Jahr überreicht.

Auf die Frage von Frau Dr. Elisabeth Peper von der Ökumenischen Nagelkreuzinitiative Würzburg, was die Übernahme des Wandernagelkreuzes und der Versöhnungsstatue für die Ackermann-Gemeinde bedeutet, antwortete der Diözesanvorsitzende, Herr Hans-Peter Dörr:

"Wir erhalten diese beiden Versöhnungszeichen in unruhigen Zeiten. Wie hatten wir uns z. B. doch an die Reisefreiheit innerhalb der EU gewöhnt. Das Corona-Virus baut wieder Schutzmauern zwischen den Staaten auf. Gerne hätte ich heute an dieser Stelle Gäste aus unserem Nachbarland Tschechien begrüßt: Bischof Tomaš Holub, Borromäerinnen aus Prag und Prachatitz und schließlich die Spitze unserer Schwesterorganisation, der Sdružení Ackermann-Gemeinde, aus Prag. Ihnen allen wurde ein Kommen verwehrt. Dennoch werden wir ihre Worte auf dem anschließenden 'Weg der Versöhnung' zu Gehör bringen. Sie sind in Gedanken und im Gebet mit uns vereint. Wir sind der ökumenischen Nagelkreuzinitiative dankbar für das Vertrauen, das sie mit der Übergabe dieser Zeichen in uns gesetzt haben. Wir sehen darin eine Ermutigung für uns, die schon von unseren Gründervätern bekommene Versöhnungsarbeit mit unseren tschechischen Nachbarn fortzusetzen. Diese Zeichen der Versöhnung und Erinnerung wird die Ackermann-Gemeinde bei möglichst vielen Gelegenheiten bei uns in Würzburg und in Tschechien zu den Menschen bringen. Wir gedenken in diesem Jahr nicht nur der 75 Jahre Zerstörung Würzburgs, sondern auch 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs und 80 Jahre der Zerstörung Conventrys. Anfang nächsten Jahres begehen wir den 75. Gründungstag der Ackermann-Gemeinde. Dies sind alles Ereignisse, die uns in der Fortsetzung unserer Versöhnungsarbeit bestärken."

 Anschließend machten sich ca. 30 Personen auf den "Weg der Versöhnung" mit vier Stationen durch die Innenstadt und erklärten jeweils, warum sie gerade dort Halt machten. 

Station "Gedenkstätte der Trautenauer am Kriegerdenkmal im Husarenwäldchen": Wir sind soeben am Kriegerdenkmal vorbeigekommen und machen Halt an der Gedenkstätte der Trautenauer. Nach der Vertreibung aus der Tschechoslowakei kamen viele Trautenauer mit dem Transport – mehr zufällig – nach Würzburg. Die Stadt Würzburg übernahm deshalb 1956 die Patenschaft über die Menschen aus der Stadt und dem Kreis Trautenau. Seit 2008 gibt es mit dem heutigen Trutnov eine Partnerschaft.

Station "Ehrenhof der Residenz": Unter der Leitung des Baumeisters Balthasar Neumann aus Eger in Böhmen, dem heutigen Cheb, wurde vor 300 Jahren der Grundstein der Würzburger Residenz gelegt. Wir haben uns im Ehrenhof versammelt, wo man am 10. März 1933 erstmals in Würzburg Bücher unliebsamer Autoren verbrannt hatte. Damals ahnte keiner, dass diese Untat als Fanal vorwegnahm, was – fast auf den Tag genau – zwölf Jahre später geschah: die Residenz selbst wurde vor 75 Jahren ein Raub der Flammen. Nach dem Wiederaufbau gehört sie seit dem 30. Oktober 1981 zum Kreis der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten.

Station "Versöhnungsdenkmal Wilhelm-Schwinn-Platz (Vorplatz St. Stephan)": Wir befinden uns hier beim „Denkmal der Versöhnung“, wo seit 2002 Mosaiktafeln in verschiedenen Sprachen, auch auf Tschechisch, zur Versöhnung mahnen. Die Stephanskirche ist die evangelische Dekanatskirche und der Sitz der ökumenischen Nagelkreuzinitiative Würzburg e.V.

Station "Jugendkirche im Kilianeum – Haus der Jugend": Hier im Kilianeum trifft sich nebenan regelmäßig der Diözesanvorstand der Ackermann-Gemeinde zu seinen Beratungen und Planungen. Das Kilianeum ist das Zentrum der katholischen Jugendarbeit, ein Ort der Begegnung von Menschen und der Planung kirchlichen Lebens. Die Jugendkirche ist ihr spirituelles Zentrum. Die Jugend ist die Zukunft Europas.

Am Montag, 16. März 2020, findet ein Requiem im Kiliansdom, das Totengedenken der Stadt Würzburg am Hauptfriedhof sowie der "Weg der Versöhnung" durch die Innenstadt der Ackermann-Gemeinde statt !!

Programm:

9.00 Uhr Requiem für die Opfer des 16. März 1945 und alle Opfer von Krieg und Gewalt im Kiliansdom mit Domkapitular Dr. Jürgen Vorndran

10.30 Uhr Totengedenken der Stadt Würzburg mit Kranzniederlegung durch OB Christian Schuchardt am "Denkmal 16. März" am Hauptfriedhof sowie Segen von Bischof Dr. Franz Jung

anschl. "Weg der Versöhnung" durch die Innenstadt. Dieser endet mit einem kleinen Imbiss im Kilianeum.

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