Ackermann Gemeinde Würzburg

Ostrauer Schülerbegegnung in Würzburg – Die Ackermann-Gemeinde (AG) Würzburg hatte traditionsgemäß wieder SchülerInnen des Bischöflichen Gymnasiums aus Mährisch-Ostrau/Ostrava eingeladen.

Mährisch-Ostrau ist die drittgrößte Stadt Tschechiens und liegt an der Nordostgrenze zu Polen. Die Stadt wird die „schwarze Perle“ Tschechiens genannt, gilt als Ruhrpott Tschechiens, ist Universitätsstadt und besitzt zahlreiche architektonische und technische Sehenswürdigkeiten.

Auf Grund gravierender Veränderungen am Gymnasium, war dieses Mal Würzburg das alleinige Ziel der Begegnungstage vom 06.-bis 09. Juni 2019. Um nicht kostbare Zeit im Zug und Bus zu verbringen, kamen 6 GymnasiastInnen (2 Jungen, 4 Mädchen) mit ihrer Deutschlehrerin Frau Sladká am Donnerstag früh, nach einer anstrengenden Nachtfahrt in Würzburg an.

Eine kurze Ruhepause genügte, um mit Pfr. Oehrlein und Dr. Hübel ins Wein-Frankenland zu fahren. Stationen waren der reizvolle Ort Volkach an der Mainschleife, Maria im Weingarten (die Wallfahrtskirche mitten in den Weinbergen mit der berühmten Riemenschneider „Madonna im Rosenkranz") und das Benediktinerkloster Münsterschwarzach. In Würzburg angekommen, wurden noch Residenz und Byzantinische Kapelle besichtigt.

Der zweite Tag begann mit dem ökumenischen Gottesdienst der St. Ursula-Schule im Dom, der von der Schülergruppe mitgestaltet wurde. Sie sangen zwei tschechische Lieder („Svorni jsme v jednom Duchu", - „Wir sind vereint im Geiste" - und den Kanon „Otevřeme Písmo" - „Erschließe uns die Hl. Schrift") mit Gitarren- und Flötenbegleitung - der deutsche Text wurde dem Liedblatt beigelegt - dann beteten sie noch das „Oče náš" – „Vater unser" in ihrer Muttersprache. Dieser ökumenische Gottesdienst war für sie eine neue Erfahrung.

Der anschließend geplante Schulunterricht fiel den Abiturnachwirkungen zum Opfer. Das Angebot von Sr. Katharina, der Schulleiterin, uns durch das renovierte Schulgebäude zu führen, nahmen wir gerne an. So konnten wir auch den neuangelegten Kräutergarten bewundern. Nach erfrischenden Getränken und Brezeln in der Schulmensa bedankten wir uns und wurden mit den Worten „Wir bleiben in Verbindung" verabschiedet.

Am frühen Nachmittag hatten wir eine einstündige Führung durch das Rathaus mit Herrn Stadtrat Dürrnagel und gleich danach fanden wir uns in der Augustinerkirche zur interaktiven Kunst- und Klanginstallation zum Thema Inklusion ein. Herr Schmidl, Komponist, Künstler und Initiator dieses beeindruckenden Projektes, führte uns durch diese Kunstausstellung. Ziel dieser „Klangpuzzle"-Ausstellung ist es, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. „Jeder trägt bei, was in seinen Möglichkeiten liegt und erfährt so individuelle Wertschätzung nach dem Motto: „In jedem Menschen steckt ein Talent, das entlockt werden will."

Der Nachmittag war endlich frei für eigene Aktivitäten, bevor wir uns am Abend zum Rundgang mit dem Nachtwächter am Vierröhren-Brunnen trafen. Er ist aus Würzburg nicht mehr wegzudenken. Allein durch seine Ausstattung mit Laterne, Dreispitz (Hut), Hellebarde (Spieß), Horn und Schlüsselbund begeistert er die Teilnehmer. Diese Attribute sind heute nur noch Dekoration. Seine mehr kabarettistischen als kunsthistorischen „Gschichtli" erzählt er in fränkischer Mundart. Trotz seiner vorherigen „Sprachschule" und Bemühungen „hochfränkisch" zu sprechen, war er für unsere tschechischen Gäste kaum zu verstehen. Das hatten wir leider bei der Planung nicht bedacht. Der Himmel aber hatte ein Einsehen und schickte uns einen heftigen Sturm mit starkem Regen. So wurde die Aktion vorzeitig beendet - unser Glück.

Am Samstag, dem dritten und letzten Tag, war zuerst ein Besuch in der Röntgen-Gedächtnisstätte vorgesehen. Diese wurde aus Anlass des 120. Jahrestages der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 2015 neu gestaltet. Dabei stehen nicht nur seine Forschungstätigkeiten und die Röntgentechnik im Vordergrund, vor allem sein Leben und seine Person sollen spürbar werden. Erfreulicherweise begleitete uns an diesem Tag der Würzburger Jugendliche Paul. Dr. Hübel, der als Student in diesen Räumen ein und aus ging und auch hier arbeitete, führte professionell durch die Gedächtnisstätte und erklärte den interessierten GymnasiastInnen die Funktion der einzelnen Apparate.

Der zweite Ausflug führte uns per Bahn nach Karlstadt. Die Stadt wirbt mit dem Slogan „Auf Schritt und Tritt ein Erlebnis". In der Tat, Karlstadt liegt inmitten einer reizvollen Landschaft. Durch die von Mauern, Türmen und Toren umgebene Altstadt (um 1200 gegründet) mit dem romanisch-gotischen „Kleinstadtdom" St. Andreas, dem treppengiebelartigen Historischen Rathaus von 1422 und seinen kunstvollen Fachwerkfassaden der stolzen Bürgerhäuser führte uns Dr. Hübel - Karlstadt war schon in seiner Schulzeit ein beliebtes Ausflugsziel.

Mittagspause mit Picknick hielten wir auf dem weiträumigen, gepflegten Areal der imposanten Burgruine. Die Ruine liegt auf einem Felssporn am linken Mainufer gegenüber der Stadt Karlstadt und ist der älteste Siedlungsort des weiten Umlandes. Man hat einen wunderschönen Blick auf die Stadt und Umgebung.

Zum Abschlussabend waren Mitglieder und Freunde der AG ins Kilianshaus eingeladen. Die GymnasiastInnen gestalteten den Abend mit spontanen Ideen und zeigten auch schauspielerisches Talent. An Hand einer Power-Point Präsentation bekamen wir Einblick in das Leben ihrer Schule. Sie stellten sich selbst vor und konnten dabei ihre Sprachkenntnisse unter Beweis stellen. Aus vorhandenen Liederbüchern („Singendes Volk" und „BANANA") wurden gemeinsam deutsche und tschechische Lieder gesungen. Das Singen wurde zum Schluss spontan auf die belebte Straße zum Vierröhren-Brunnen verlegt und sie ernteten tatsächlich auch Beifall.

Pfingstsonntag, der Abreisetag, begann mit einem Gottesdienst in der Neumünsterkirche. Auf dem Kiliansplatz wurden dann noch die letzten Fotos in verschiedenen Positionen gemacht, bevor wir gemeinsam zum Bahnhof gingen. An der Flix-Bus-Haltestelle verabschiedeten wir uns endgültig mit dem Gedanken „Wir bleiben in Verbindung"!

Eine erlebnisreiche, harmonische und für alle bereichernde Woche ging zu Ende.

Diese Begegnungswoche ist – auf dem Boden der Kirche – unser bescheidener Beitrag für ein Europa, das zur Versöhnung zwischen den Völkern fähig sein kann.

Christa Ullmann

­